wasserkraftwerk schils

Das Wasserkraftwerk Schils ist das drittgrösste Kraftwerk im Kanton St.Gallen und ist seit dem Jahr 2014 im Besitz der SAK. Die Kraftwerkszentrale Sägengüetli in Flums turbiniert das Wasser aus der Schils von zwei verschiedenen Wasserfassungen. Mit einer Stromproduktion von 48,5 Mio. kWh produziert das Kraftwerk elektrische Energie für rund 11'200 Haushalte.

Das Wasserkraftwerk Schils in Flums ist eine der modernsten Kraftwerksanlagen der SAK. Nach der Übernahme im Jahre 2014 startete die SAK ein umfangreiches Modernisierungsprojekt und nahm die erneuerte Anlage im Jahr 2021 wieder in Betrieb. Durch die Sanierung steigerte sich die Leistung des Kraftwerks um 20 Prozent. Das Flumser Wasserkraftwerk ist ein wichtiger Stromlieferant in der Region, welches durch seine Leistungserhöhung heute rund 11'200 Haushalte mit Strom versorgen kann. Als umweltfreundliche Kraftwerksbetreiberin ist der SAK die Pflege der Natur, speziell um ihre Kraftwerksanlagen herum, ein wichtiges Anliegen. So führte sie im Rahmen der Modernisierung auch verschiedene Renaturierungsarbeiten durch und vernetzte damit für die Fische im Schils eine Gewässerstrecke von acht Kilometern.

Weitere Details zum Umbauprojekt des Kraftwerks Schils. 

Die «Wasserfassung und die Fischtreppe Bruggwiti» im Schilstal, oberhalb Flums.

Die Technik im Kraftwerk Schils

Das Speicher- und Hochdruck-Laufkraftwerk bezieht das Wasser aus der Schils über die beiden Wasserfassungen Bruggwiti – versehen mit einem Speichersee – und Aeuli. Durch die Auflösung der vor der Modernisierung eingesetzten Zwischenstufe reichen die beiden Druckleitungen heute ohne Unterbruch ins Tal. Dadurch wird das vorhandene Gefälle von total 717 Metern optimal genutzt und ermöglicht dem Wasser eine erhöhte Fliessgeschwindigkeit. In der Kraftwerkszentrale Sägengüetli wird das Wasser aus den Druckleitungen mittels zwei Maschinengruppen turbiniert. Die kleine «Maschinengruppe Aeuli» hat heute eine Leistungskapazität von 2,1 MW – die grössere «Bruggwiti» eine von 11,4 MW. Beide Maschinen zusammen produzieren jährlich 48,5 Mio. kWh Strom.

Technische Daten
 

Inbetriebnahme 1866 (mechanische Nutzung)
1900 (elektrische Nutzung)
2021 (Neueröffnung nach Sanierung/Neubau)
Technologie Hochdruck-Laufkraftwerk
Installierte Leistung Bruggwiti:        11.5 MW
Äuli:                   2.1 MW
Jahresproduktion Bruggwiti:         42 GWh
Äuli:                    6 GWh
Fallhöhe Bruggwiti:            490 m
Äuli:                      368 m

Die Pelton-Turbine
 

Pelton-Turbinen werden vorwiegend bei Wasserkraftwerken mit hohem Nutzgefälle aber eher geringeren Durchflussmengen eingesetzt. In ihr strömt das Triebwasser in einem Strahl mit sehr hoher Geschwindigkeit aus einer oder mehreren Düsen auf die Schaufeln des Laufrads. Jedes der bis zu 40 Schaufelblätter ist durch eine scharfe Kante in zwei annähernd halbkugelförmige Halbschaufeln getrennt. Diese leiten das Wasser in die entgegengesetzte Richtung um, damit die kinetische Energie nach dem Prinzip Aktion und Reaktion an das Laufrad abgegeben wird.

Zertifizierte Stromproduktion

Das Kraftwerk Schils wurde vom Verein für umweltgerechte Energie (VUE) mit dem Label «naturemade star» zertifiziert. Das Gütesiegel steht für Stromproduktionsanlagen, die 100 Prozent erneuerbare Energie produzieren, einen geringen Umweltbelastungswert aufweisen und über ein Umweltmanagementsystem zur Verbesserung der betrieblichen Umweltleistung verfügen. Darüber hinaus erfüllen «naturemade star» zertifizierte Anlagen sehr strenge ökologische Anforderungen – darunter globale Kriterien über den Lebenszyklus der Produktionsanlage und lokal-regionale Kriterien.

Weitere Informationen

Die beiden neuen Maschinengruppen «Bruggwiti» und «Aeuli» in der Kraftwerkszentrale in Flums.

Die Geschichte des Kraftwerks schils

1899 erhielten die Söhne von Johannes Spörri-Streiff vom Kanton St. Galllen eine Wasserrechtskonzession, woraufhin sie das gut 330m hohe Gefälle der Schils zwischen Bruggwiti und Pravizin zur Stromproduktion nutzen durften. Kurz darauf installierten die Herren Spörri drei Maschinengruppen mit je 800 PS in der Zentrale Pravizin, die fortan Strom für ihr Karbidwerk produzierten. Das Kraftwerk Schils, damals noch Kraftwerk Spörri genannt, nahm hier seinen Anfang. Im Verlaufe der kommenden Jahre bauten die Herren Spörri ihr Wasserkraftwerk stetig aus. Bereits im Jahr 1900 starteten sie mit dem Bau der Karftwerkszentrale Altes Sägengüetli. Rund zehn Jahre später kam eine weitere Zentrale mit drei 800 PS starken Generatoren dazu. 1941 nahm schliesslich die vierte EW-Zentrale Pravizin-Äuli den Betrieb auf. Das Spörri-Stromnetz war zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem Elektrizitätswerk der Stadt Zürich verbunden und leitete überschüssigen Strom in dessen Stromnetz um. 1974 begann das EW Spörri mit dem Bau der Zentrale Neues Sägengüetli. Dies ergab Sinn, denn durch die Stillegung der Spinnereiturbine knapp 17 Jahre zuvor, sind neue neue Potentiale zur Stromproduktion offengelegt worden. Aufgrund der wirtschaftlichen Flaute in der Textilindustrie, der Marktanteilverluste und des zunehmenden Preiszerfals musste 2009 die Spinnerei Spoerry liquidiert werden. Im Zuge der Liquidation wurde das Elektrizitätswerk zusammen mit den Immobilien in die Zuständigkeit der Innobas AG übergeben. 2013 entschloss sich die Innobas, sich ganz auf die Bewirtschaftung der Immobilien zu konzentrieren. Die hohen anstehenden Investitionen in die Wasserkraftanlagen sowie die Komplexität des Strommarktes und die sich rasch ändernden politischen Rahmenbedingungen liessen es ratsam erscheinen, das EW an einen professionellen Anbieter zu übergeben. Im Mai 2014 wurden sämtliche Kraftwerks- und Verteilungsanlagen an die EW Schils AG übergeben und deren Aktien zu 100 Prozent an die SAK verkauft.

Bild der heute noch bestehenden Fabrikgebäude. Diese werden in den nächsten Jahren zu Lofts ausgebaut.
Erste elektrische Maschinengruppen von 1904 in der Zentrale Felsen. Teile davon können heute noch am selben Ort angeschaut werden.

Hintergrund zur Wasserkraft in der Schweiz

Die Elektrizität wurde um die vorletzte Jahrhundertwende in grossem Mass zu einer unverzichtbaren Energiequelle unserer Gesellschaft – genau zu dieser Zeit entstanden in der Schweiz auch die ersten Wasserkraftwerke. Die Gewinnung von elektrischer Energie aus Wasserkraft war damals die Lösung, den stetigen Bedarf nach Strom zu decken sowie um der Bevölkerung und Wirtschaft eine stabile Stromversorgung gewährleisten zu können.

Die umweltfreundliche und saubere Wasserkraft war bis in die 1970er Jahre nahezu die alleinige Energiequelle für die Stromproduktion in der Schweiz. Erst dann kam Elektrizität zunehmend aus anderen Quellen – vor allem Kernkraftwerken – hinzu. Um mit der stetigen Entwicklung Schritt zu halten, trat die SAK im Jahr 1928 der Nordostschweizerischen Kraftwerke AG (NOK) bei. Dieser Verbund garantiert die sichere und zuverlässige Stromversorgung, da die eigenen Wasserkraftwerke den Gesamtbedarf an elektrischer Energie nicht mehr decken konnten. Sie leisten aber heute noch einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung.